Peugeot 103 - Rennumbau 2017

Schon längere Zeit hatte ich kein Peugeot - Projekt mehr in Angriff genommen. Im Sommer 2017 packte mich dann doch wieder die Lust und ein neuer Umbau war an der Reihe!

 

Der Plan bestand darin, die 2012 bereits von mir neu auf- und umgebaute Peugeot 103 komplett zu überarbeiten, da ich an einigen Stellen noch nicht zu 100% zufrieden war. 

 

Momentan sieht der Plan für das Projekt wie folgt aus:

 

1. Umbau auf eine stabilere Gabel & Einbau einer Scheibenbremsanlage

 

2. Umbau auf eine verstärkte Malossi - Rennschwinge hinten

 

3. Einbau eines neuen, stärkeren 50ccm - Motors.  

 

 

Hier ein Bild meiner Basis, dem Umbau von 2012:

1. Schritt: Gabelumbau


Beim neuen Umbau ist es mir sehr wichtig, eine stabilere Gabel mit einer guten Bremse zu verbauen. Die originalen Bremsen sind bei einem schnellen Motor einfach zu schwach und die Gabel ist ebenfalls bei Rennmotoren nicht zu empfehlen. Deshalb überlegte ich mir, welche Alternativen sich ergeben würden.

 

An sich wäre es natürlich möglich, an die originale Gabel einen Halter für einen Bremssattel anzuschweißen, allerdings würde dann immer noch das Problem mit der schwachen Gabel bestehen.

Im Internet gibt es einige Berichte über Scheibenbremsumbauten, bzw. Gabelumbauten an der 103. Dabei fällt allerdings oft auf, dass Gabeln verwendet werden, die für die 103 eigentlich zu lang sind. Als Folge davon verschlechtert sich das Fahrverhalten des Mopeds erheblich, außer aber die Gabelholme werden so am Lenkkopf befestigt, dass sie oben herausschauen. Dies ist zum einen im Falle eines Sturzes nicht wirklich sicher, zum anderen wirkt es sich wieder auf eine andere Weise auf das Fahrverhalten aus, da dadurch der Federweg kleiner wird. Ideal sind diese Lösungen also nicht.

 

Die Firma "EBR", die auch Teile für andere Mopeds herstellt, bietet komplett einbaufertige Gabeln für die 103 an, manche davon auch mit Bremssattelhalter. Diese Gabeln passen ohne nennenswerte Anpassungsarbeiten in die 103 und sind mit Sicherheit eine gute & preiswerte Lösung. 

Neben den EBR - Gabeln gibt es allerdings noch eine etwas bessere Methode: Die MBK Magnum Racing XR, das damalige Konkurrenzprodukt zu 103 RCX usw., hatte serienmäßig eine Paioli - Gabel verbaut, die sogar noch etwas dicker als die EBR und qualitativ noch einen Tick hochwertiger war. Die großen Nachteile: Diese Gabeln sind selbst in Frankreich kaum noch zu bekommen und es ist mit viel Bastelei verbunden, eine solche Gabel für die 103 passend zu machen. 

 

Trotz allem gefiel mir diese Gabel am besten, sodass ich mich auf die Suche nach einer Paioli begab. Glücklicherweise konnte ich noch eine Kiste voller Paioli - Einzelteile auftreiben und ich hoffte, mir daraus eine komplette Gabel zusammenstellen zu können.

 

Die unteren Teile der Gabel waren leider unschön verkratzt, weshalb ich sie zuerst sandstrahlte. 

 

Hier einige Bilder der fertig sandgestrahlten Teile.

Anschließend wurde noch alles mit Klarlack überzogen.

Anschließend ging es an die restlichen Teile der Gabel. Diese befanden sich glücklicherweise in einem sehr guten Zustand, sodass außer den üblichen Arbeiten beim Überholen einer Gabel (Neue Simmerringe, Staubkappen, Öl etc.) nichts anfiel.

Danach wurde alles zusammengebaut - Die einzelnen Gabelteile waren fertig! =)

 

Gleichzeitig wurden die Gabelbrücken von der alten Farbe befreit und neu lackiert.

Nachdem die Einzelteile fertig gestellt waren, ging es an den Einbau der Gabel. Dieser stellte sich als deutlich schwieriger als gedacht heraus, da die Gewindestange des Lenkkopfs zu kurz war. Die Mutter an der oberen Gabelbrücke konnte demzufolge nicht festgezogen werden.

 

Aus diesem Grund mussten die Gabelbrücken noch überarbeitet werden.

 

Als sie dann passten, wurde alles mit neuen Lenkkopflagern & den Lampenhaltern eingebaut.

Als die Gabel verbaut war, war es an der Zeit, den Lenker zu montieren. Für den Umbau entschied ich mich für einen klassischen M-Lenker in Chromoptik. 

 

Auch hier war beim Einbau Fingerspitzengefühl gefragt: Die gängigen, einteiligen Lenkerklemmen passen nicht an die obere Gabelbrücke. Demzufolge mussten zwei einzelne Lenkerhalter angefertigt werden, die dann mit neuen Schrauben & Muttern montiert wurden.

Da sowieso ein neuer Motor verbaut wird, baute ich den alten vorsichtshalber schon aus. 

Aufgrund der Tatsache dass die neue Gabel über andere Achsaufnahmen (eine Seite 12mm, andere Seite 14mm, original Peugeot ist beidseitig 10mm) verfügt, gab es für den weiteren Verlauf mehrere Möglichkeiten. Entweder verwendete man eine originale Peugeot - Achse mit 10mm Durchmesser und setzt in die Gabel Buchsen ein, oder aber man steigt auf eine stärkere Achse um. Das Problem welches sich dann wieder ergibt, sind die Radlager, die auf die 10mm - Achse zugeschnitten sind.

 

Aus diesem Grund habe ich mit einer Kugellagerfirma hier in der Gegend Kontakt aufgenommen, die mir glücklicherweise passende Lager besorgen konnte. Diese habe ich gleich eingebaut.

 

Momentan liegt das komplette Vorderrad bei unserem Bekannten in der Metallverarbeitung, da ich mir eine neue Achse anfertigen lasse. 

 

In der Zwischenzeit habe ich den Scheinwerfer verbaut, sowie mich um einige neue Teile gekümmert:

 

Bei der Bremsscheibe habe ich mich für eine aus dem Motorradbereich entschieden. Wave - Bremsscheiben gefallen mir von der Form nicht wirklich gut an einem Moped, weshalb eine klassische vom spanischen Hersteller "NG" verbaut werden wird. Die Scheibe hat einen Durchmesser von 220mm und ist deutlich dicker als die meisten Scheiben, die in Mopeds gefahren werden. Dadurch wird eine noch bessere Bremswirkung erzielt werden können.

 

Als Bremssattel wird einer von Brembo verbaut werden. 

 

Sobald die neue Achse fertiggestellt ist, geht es daran, eine passende Adapterplatte für das SP - Vorderrad zu entwerfen. Die Adapterplatte wird direkt an der Felge befestigt werden, dort kann dann die Bremsscheibe montiert werden.

Am nächsten Wochenende wurde endlich die neue, extra angefertigte Achse für das Vorderrad fertig. Leider habe ich an diesen Tagen meine Kamera in Heidelberg liegen lassen, weshalb es von den Arbeiten an den zwei Tagen keine Bilder gibt - dafür aber wieder von denen am darauffolgenden Wochenende! =)

 

Außerdem ging es bereits an das Fertigen des Adapters zur Befestigung der Bremsscheibe an der Felge. 

  

Außer der Achse habe ich mich noch an ein paar kleinere Arbeiten gemacht - so habe ich beispielsweise Halter für mein graviertes Typenschild gefertigt und den "alten" hinteren Teil des Mopeds (Hinterrad, Schwinge...) ausgebaut. 

 

In der Zwischenzeit wurde dann auch der Adapter für die Bremsscheibe fertiggestellt. Da ich meine Kamera zu diesem Zeitpunkt wieder hatte, gibt es weiter unten ein paar Eindrücke von der Fertigung!

 

Nachdem der Adapter fertiggestellt war, konnte endlich das Vorderrad montiert werden. Die neue Achse und der Adapter passten klasse und irgendwie sieht die "kleine" 103 mit der neuen Gabel und der Bremsscheibe schon ein wenig nach Motorrad aus.

 

Dann ging es an die nächste schwierige Aufabe: Das Ausmessen und Planen des Bremssatteladapters. Leider habe ich selbst nicht die nötigen Gerätschaften, um mir selbst einen aus Aluminium zu fertigen, weshalb ich ein Modell aus Holz angefertigt habe, welches ich der Metallverarbeitung als Vorlage gab.

 

In der Zwischenzeit kam dann auch das Cockpit mit meinem gravierten "Typenschild" an seinem Platz. Auf den Bildern ist noch der zusätzlich angebrachte Klebestreifen auf den Halterungsblechen zu sehen, dieser wurde natürlich noch entsprechend zugeschnitten, sodass er nicht mehr störend auffiel.

Nachdem nun endlich die Bremsscheibe an ihrem Platz war, ging es an die Griffe und Armaturen. Bei den Hebeln habe ich mich für schwarze CNC - Bremshebel entschieden, für die Griffe wählte ich welche von Magura, da mir diese schon immer sehr gut gefallen haben.

Schlichtes Schwarz passte meiner Meinung nach am besten zu dem Umbau, weshalb ich da keine wilden Farbkombinationen ausprobierte.

 

Außerdem kümmerte ich mich um die Schwinge für den Umbau: Nachdem vorne eine den höheren Geschwindigkeiten angepasste Gabel mit entsprechender Bremse verbaut wurde, sollte es auch hinten entsprechend sicherer zugehen.

Auch wenn die originale Schwinge nicht schlecht ist, kommt es bei ihr sehr oft zu Platzproblemen wenn es darum geht, einen größeren Vergaser einzubauen.

Aufgrund der Tatsache dass der Motor unserer Peugeots beim Fahren nach hinten wandert, stoßen große Vergaser oft hinten an der Schwinge an, weshalb es beim Verwenden der originalen Schwinge notwendig ist, die Schwinge zu bearbeiten oder sich einen Ansaugstutzen mit Winkel zu fertigen.

 

Diese Probleme gibt es mit der Malossi - Rennschwinge nicht. Sie ist stabiler als die originale Schwinge und es kommt nicht zu Platzproblemen - sie ist also perfekt für meinen Umbau.

 

Glücklicherweise bin ich in einem unserer Nachbarorte fündig geworden und konnte dort eine neue Malossi - Schwinge abholen.

Da nun die Bremsscheibe und die Griffarmaturen montiert waren, konnte es an die noch verbleibenden Arbeiten gehen, um den Gabel-, bzw. Bremsenumbau fertigzustellen:

 

Glücklicherweise wurde der Adapter für den Bremssattel fertig, sodass dieser montiert werden konnte. Das genaue Ausmessen und das Fertigen des Holzadapters zahlten sich aus, der fertige Adapter aus Alu passte genau!

 

In Sachen Bremsleitung entschied ich mich für eine Stahlflexleitung aus deutscher Produktion. Verglichen mit einer "normalen" Gummileitung gibt es nur Vorteile und auch optisch passt es sehr gut zum Umbau.

Der Einbau der Bremsleitung erfolgte durch angepasste Fittinge, sodass die Leitung ohne Knicke noch über dem Scheinwerfer verlegt werden konnte und nicht störend über das Cockpit verläuft.

 

Nachdem alle Teile montiert waren, wurde die Bremse noch entlüftet.

 

Damit konnte der vordere Teil des Mopeds komplett abgeschlossen werden! 

 

Alles in allem war es eine Menge Anpassungs- und Planungsarbeit, aber es hat sich definitiv gelohnt. SP-Felgen mit Scheibenbremse auf der Paioli - Gabel sind einfach klasse für den Umbau, lach.

 

In den kommenden Wochen geht es an die genauere Planung für den weiteren Verlauf des Umbauprojekts. Ich halte euch auf dem Laufenden! 

 

In der Zwischenzeit kamen dann auch die ersten Motorteile bei mir an! 

 

Mit dabei: Das "Herzstück" des neuen Rennmotors, das Polini Evo - Gehäuse. 

Die Kanäle sind riesig und auch die Verarbeitung des Gehäuses ist klasse. Einziger Kritikpunkt: Die Buchsen an der Motoraufhängung bestehen nicht - wie bei anderen Silentblöcken üblich - aus Gummi, sondern aus Plastik. Da die Peugeots gerade auch durch die flexible Motoraufhängung stärker vibrieren, ist durch die Plastikteile keine wirkliche Dämpfung gegeben.

 

Aus diesem Grund habe ich am Gehäuse noch selbst Hand angelegt und eine durchgehende Gummibuchse montiert. Auf diese Art und Weise werden die Vibrationen deutlich besser abgeschwächt.

 

Anschließend wurde der 50ccm Doppler - Zylinder auf das neue Polinigehäuse angepasst. 

Gleichzeitig machte ich mir Gedanken über einen passenden Sitz für die Peugeot.

 

Der originale Sattel ist zwar sehr bequem, gleichzeitig aber auch ziemlich klobig, was nicht wirklich gut zu meinem recht schmalen Umbau passen würde.

Aus diesem Grund entschied ich mich dazu, mich bei verschiedenen Sitzbänken umzuschauen. Da der Umbau in die Cafe Racer - Richtung geht, suchte ich vor allem nach Höckersitzbänken. Leider war ich da nicht gerade erfolgreich: Da fast alle für Motorräder hergestellt werden, passen die Bänke von den Maßen her überhaupt nicht zu meiner 103. Die meisten sind viel zu lang oder viel zu breit, sodass ich da nichts verwenden konnte.

Also ging es mal wieder ans Tüfteln! =)

 

Ich entschied mich dazu, mir selbst eine passende Sitzbank anzufertigen. Dazu wollte ich zunächst aus dünnem Blech ein Modell entwerfen, dieses genau auf den Rahmen und die spätere Sitzposition anpassen und anschließend dieses Modell aus dickerem Edelstahl nachbauen.

Als Vorlage für das Modell diente mir eine Sitzbank eines mopedbegeisterten Bekannten, die von der Breite her ideal, jedoch leider zu kurz war. 

 

Zunächst probierte ich, den Höcker aus einem einzigen, gebogenen Stück Blech zu fertigen. Das Endergebnis gefiel mir jedoch nicht wirklich, sodass ich noch einen zweiten Versuch startete. Dabei wurde der Höcker aus einzelnen Blechstreifen, die zum Schluss aneinandergelötet wurden, gefertigt. Dadurch bekam der Höcker die schöne, gebogene Form die mir sehr gut gefiel!

 

In der nächsten Zeit geht es jetzt daran, das Modell aus Edelstahl nachzubauen (ich verwende für die Sitzfläche ein 3mm dickes Stück, für die Seitenteile 2mm) und damit das spätere Sitzbankgestell fertigzustellen. Anschließend soll es damit zum Sattler gehen...

In der Zwischenzeit sind meine neuen Aufkleber angekommen!

 

Ich habe mich dazu entschlossen, bei dem Cafe Racer - Umbau der 103 auf andere Aufkleber zu verzichten und das Moped farblich auch weiterhin relativ schlicht zu halten.

Auf Empfehlung von Christophe und anderen Mopedverrückten aus den USA habe ich mich bei der Kurbelwelle für die K1 von Artek entschieden. Diese ist für sehr hohe Drehzahlen geeignet und hat auch qualitativ sehr hochwertige Lager verbaut.

 

In Kombination mit guten SKF / FAG - Lagern ist die Kurbelwelle perfekt für meinen Motor geeignet.

Außerdem habe ich mich dazu entschieden, die Malossi - Schwinge sowie ein paar Kleinteile neu lackieren zu lassen. 

In der Zwischenzeit ist dann auch die neue Sitzbank fertig geworden. Ich habe mich für eine sehr dünne Polsterung und einen matten, schwarzen Bezug entschieden, auf der Sitzfläche und der kleinen Rückenlehne sind zusätzlich noch quer verlaufende Ziernähte angebracht. Die Bank ist ein Unikat und speziell auf die 103 angepasst!

Zusammen mit der neuen Sitzbank konnte dann auch der Motor eingebaut werden. Hier mussten viele Teile angepasst werden, da sie nicht einfach so eingebaut werden konnten (Zündung, Motorfeder, usw...). 

 

Der neue Rennmotor wird sich aus folgenden Komponenten zusammensetzen:

 

Polini Evo - Gehäuse, Artek K1 - Kurbelwelle mit SKF C4 - Lagern, bearbeiteter Doppler 50ccm - Zylindersatz und -kopf, Polini Membranbox, Polini CP 17,5 - Vergaser mit Polini - Luftfilter,kontaktlose MBK Moriyama - Zündung, Doppler ER3 - Wandler mit Doppler - Aluriemenscheibe, Doppler ER1 - Auspuff.

Nach und nach konnte der Motor zusammengesetzt werden. Auch der Auspuff und die ersten Elektrikteile fanden ihren Weg an die Peugeot. 

Dann - nach knapp einem dreiviertel Jahr Arbeit - war die Peugeot endlich fertig. Ein Projekt, das enorm viel Arbeit, Aufwand und Mühen, gekostet, gleichzeitig aber auch unglaublich viel Spaß bereitet hat.

Die 103 ist nun so aufgebaut, wie ich sie mir schon immer gewünscht habe und nach den vielen Restaurationen bisher freue ich mich darüber, auch eine solche kleine "Rennmaschine" in der Garage zu haben, lach.

 

Ein großes Dankeschön geht an alle Personen, die das Projekt verfolgt haben und mir mit Rat und Tat, Hilfe, Fachwissen oder entsprechenden Teilen weitergeholfen haben - ohne euch wäre der Aufbau nicht möglich gewesen!

 

Viele Grüße

 

euer Joshua

Foto: R. Künstle

Foto: R. Künstle

Foto: R. Künstle

Foto: R. Künstle

Foto: R. Künstle

Mehr Fotos vom Fotoshooting mit der Peugeot findet ihr hier!


                                

Joshua Rönsch

Mopedwelt Murgtal & Heidelberg

 

info@jr-mopeds.de